Chelsea London - FC Basel

  • 1:1 (50.) Torres
  • 2:1 (52.) Moses
  • 3:1 (59.) Luiz
  • 0:1 (45.) Salah
Saison:Saison 2012/2013
Datum:Donnerstag, 02.05.2013 21:05Uhr
Land:England
Liga:EL Halbfinale
Stadion:Stamford Bridge, London
Zuschauer:42.000

Fussball in England ist Kult! Fussball in England wird überbewertet! Stimmung - genial! Stimmung - keine! Es gibt ja viele Meinungen über den heutigen Fussball und die Atmosphäre in Great Britain, da musste ich mir unbedingt auch selbst mal ein Bild davon machen. Wie es der Zufall so will *hüstel hüstel*, weilt meine Schwester momentan im Praxissemester in London und so konnte das Angenehme mit dem Angenehmen verbunden werden und ein Besuch bei Ihr mit ein wenig Fussball abgeschmeckt werden. Beim Planen der Tour gab es auf der französischen TGV-Seite gerade Sonderangebote für die Eurostar-Strecken nach London; außerdem waren kurzzeitig auch mögliche Spiele in Nordfrankreich/Belgien in Betracht gezogen worden, sodass die Fahrt mit dem PKW nach Lille und von dort mit dem Eurostar nach London gewählt wurde. Schlechte Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Andere Spiele in FRA/BEL waren nach Festlegen der London-Spiele nicht mehr möglich, die TGV-Strecke nach Lille entsprechend teuer, sodass ich dennoch mit dem Auto nach Lille startete und immer noch der Meinung war, trotzdem günstiger wegzukommen, als doch noch die teure Bahnstrecke Strasbourg-Lille nachzubuchen. In Lille am Bahnhof angekommen, wurde meine naive (?), unrealistische (?), weltfremde (?) Erwartung, mit ca. 30-40 Euro Parkgebühren für 5 Tage hinzukommen, über den Haufen geworfen. In ‘ner Seitenstraße wollte ich mein Auto dann diese lange Zeit aber auch nicht stehen lassen und so biss ich den sauren Apfel und parkte im entsprechenden Parkhaus. Nach Check-In, Passkontrolle etc. ging es dann zum entsprechenden Gleis, wo auch schon der Eurostar einrollte, welcher mich dann in knapp 1 ½ Stunden mitten ins Zentrum Londons chauffierte. Meine Schwester holte mich dann auch schon mit der idealen Möglichkeit, sich in London fortzubewegen - der Oyster-Card, einer Art Chipkarte, mit der man innerhalb der gebuchten Zonen unbegrenzt mit Bahnen und Bussen fahren kann - ab und es ging stadtauswärts zu Ihrer Wohnung, wo erstmal die Sachen abgelegt und kurz relaxt wurde, ehe es auch schon wieder hinein ins Zentrum ging. Nach einigen touristischen Aktivitäten, ging es am Abend mit der Tube in den Südwesten der Stadt, wo mit dem Europa-League Halbfinalrückspiel zwischen Chelsea und Basel das erste Match wartete. An der dortigen Haltestelle war dann scheinbar Marktschreiertag der Match-Programm-Verkäufer, zumindest versuchten insbesondere 2 Verkäufer, sich in Tonlage und Lautstärke gegenseitig zu überbieten. Wenig später wurde es dann unruhig und ein großes Polizeiaufgebot zog rund um die Haltestelle auf. Der Basel-Mob war dann auch recht schnell zu sehen und somit die Erklärung für den Aufzug des Polizeiapparates. Dieser setzte sich dann in Richtung Stadion in Bewegung, was wir Ihnen kurze Zeit später gleichtaten und die wenigen Meter gen Stadion zurücklegten. Noch schnell ein paar Fritten eingeworfen und dann ging es durch die typischen Wer-dick-ist-muss-ganz-schön-den-Bauch-einziehen Tore hinein in den Länderpunkt England.
Der amtierende Champions-League-Sieger Chelsea musste in dieser Saison bereits früh die Segel in der CL streichen und muss nun mit dem bei vielen Weltklasseklubs eher unbeliebten Europa-League Wettbewerb Vorlieb nehmen. Dies scheint hier tatsächlich ein Wettbewerb zweiter Klasse zu sein, ein klares Indiz dafür stellen die Eintrittspreise dar. Fussball in England - insbesondere bei Chelsea - gehört von der Preisstruktur ja zu den teureren Pflastern, daher waren die Ticketpreise für dieses Spiel - immerhin ein europäisches Halbfinale - doch recht überraschend. 30 Pfund für alle Plätze - zum Vergleich: Ein Ligaspiel gegen Arsenal oder ManCity kostet schonmal locker das Doppelte und selbst Ligaspiele der geringsten Kategorie sind für diesen Preis nicht zu haben. Nunja, mir sollte es recht sein und so konnte ich mir im Vorfeld, dank Hilfe von Adrian, Tix für die Gegengerade auf Höhe des Sechzehnmeterraums sichern; die Sicht dementsprechend natürlich klasse.
Auf den Rängen kommt man am heutigen Tage nicht umhin, von 2 verschiedenen Support-Stilen zu berichten. Auf der einen Seite die Gäste aus Basel, welche mit dem hierzulande typischen gut organisierten Ultra-Dauergesang aufzuwarten hatten und auf der anderen Seite der britische Support, welcher dadurch gekennzeichnet ist, dass es keine großartige Organisation gibt - es ist mal für mehrere Minuten am Stück totenstill, dann aber auch wieder sehr brachial, weil vom kompletten Stadion mitbetragen. Alles sehr spielbezogen und dadurch auch extrem ansteckend. Ich hab schon ein paar Mal eine Gänsehaut bekommen, wenn das ganze Stadion z.B. am Spielbeginn die Vereinshymne intoniert oder nach einem guten Angriff geschlossen anfeuert.
Dagegen natürlich die Basler, welche nahezu das ganze Spiel um Stimmung bemüht waren und insbesondere in den Stillezeiten von Chelsea natürlich auch enorm laut zu hören waren. Grundsätzlich kann ich schon beiden Stilen etwas abgewinnen, schwierig zu sagen, was nun „besser" ist...
Achja: Es wurde ja auch Fussball gespielt. Basel mit der Hypothek einer 1:2-Heimniederlage auf die Insel angereist sicherlich in der Außenseiterrolle. Nichtsdestotrotz boten sie in der 1.Hälfte eine ordentliche Leistung und gingen kurz vor der Pause auch mit 1:0 in Führung - die Hoffnung auf ein Weiterkommen lebte.
In der 2.Hälfte riss sich Chelsea jedoch am Riemen und konnte gleich dreifach einnetzen, womit sich der Favorit erwartungsgemäß durchsetzte und somit weiterhin die Möglichkeit hat, als erster Klub in zwei darauffolgenden Jahren die Champions-League und die Europa-League zu gewinnen.
Nach dem Spiel ging es dann in der proppenvollen Tube wieder einmal quer durch die Stadt, wo sich der mittlerweile ziemlich fertige Körper sehnsuchtsvoll mit der herbeigesehnten Matratze zu einer Symbiose ungeahnten Ausmaßes vereinigte.

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